Über den natürlichen Deckakt beim Pferd als Zuchtmethode scheiden sich die Geister. Während der Natursprung in der Vollblutzucht ein Muss ist, wird bei den meisten anderen Züchtern eher zur künstlichen Besamung gegriffen. Aber wie gefährlich ist der Natursprung beim Pferd tatsächlich und was könnte er für Vorteile bieten?
Was bedeutet überhaupt ein Natursprung beim Pferd?
Vom Natursprung wird in der Pferdewelt gesprochen, wenn man sich auf den natürlichen Deckakt eines Hengstes mit einer Stute zur Zeugung eines Fohlens bezieht. Dabei bespringt der Hengst die paarungsbereite Stute von hinten und führt seinen Penis vaginal ein. Um sich zu stabilisieren und die Stute zu fixieren, beißt er sich währenddessen im Bereich des Widerristes der Stute fest. Der Deckakt selbst dauert nur wenige Sekunden.
Heutzutage unterscheidet man beim Natursprung zwei Varianten:
Der Weidesprung
Der Weidesprung ist wohl der Deckakt, der dem naturgemäßen Verhalten des Pferdes am nächsten kommt. Klassischerweise wird ein Hengst dazu in eine Stutenherde integriert. Der Hengst hat dann Gelegenheit, nach und nach die Stuten der Herde zu decken.
Bedeckung an der Hand
Diese Bedeckung unterscheidet sich im Ablauf deutlich vom Weidesprung. Hier wird gezielt eine Stute ausgewählt, die durch einen Hengst gedeckt werden soll. Sobald sie rossig ist, wird sie an der Hand dem Hengst vorgeführt, sodass dieser aufspringen kann. Zur Sicherheit von Mensch und Tier wird die Stute in einem Deckstand aufgestellt. Manchmal wird sie sogar speziell ausgebunden, sodass es ihr nicht möglich ist, um sich zu treten. Auch wird sie besonders geschützt, um nicht durch die Bisse und Hufe des Hengstes verletzt zu werden. Hat der Hengst Schwierigkeiten, seinen Penis in die Vagina der Stute einzuführen, kann ein mutiger und geübter Helfer mit einem geschulten Handgriff nachhelfen.
Von außen betrachtet erscheint der Natursprung beim Pferd oftmals recht gewalttätig und grob. Sowohl Stute als auch Hengst sind zu Beginn sehr stürmisch. Manchmal schlägt die Stute aus oder der Penis des Hengstes benötigt mehrere Anläufe, ehe er den Eingang in die Vagina der Stute findet. Die Verletzungsgefahr ist relativ groß. Aus diesem Grund wird unter den Züchtern viel diskutiert, ob er als Zuchtmethode für Pferde infrage kommt.

Die Verletzungsgefahr bei einem Natursprung ist relativ groß.
Schon gewusst?
In der Vollblutzucht ist der Natursprung ein Muss. Eine künstliche Besamung von Vollblutstuten ist strikt verboten. Durch diese Maßnahmen soll verhindert werden, dass sich die Zucht auf einige wenige Hengste konzentriert, die ihr Erbgut an die nachfolgenden Generationen weitergeben. Der Genpool soll möglichst vielseitig und variantenreich bleiben.
Warum dürfen Vollblüter nicht künstlich befruchtet werden?
Bei Vollblütern soll mit dem Natursprung ein möglichst großer Genpool bewahrt werden. Dir Befruchtung der Stuten weltweit soll sich so nicht nur auf einige wenige Hengste konzentrieren.
Die Vorteile vom Natursprung beim Pferd
- Stimulation der Paarungsbereitschaft der Stute
Bei einer Stute, die in ständiger Gegenwart zu einem Hengst ist, werden der Zyklus mitsamt der zugehörigen Hormone viel intensiver stimuliert, sodass die Aufnahmefähigkeit bei einer natürlichen Besamung von vornherein größer ist. - Stute und Hengst können selbst entscheiden, wann der richtige Zeitpunkt für den Deckakt ist. Zumeist lässt die Stute dadurch instinktiv den Deckakt zu, wenn sie am fruchtbarsten ist.
- Höhere Chance auf Trächtigkeit
Genau die Tatsache, dass die Pferde ihrem Instinkt folgen, erhöht in vielen Fällen beim Natursprung die Wahrscheinlichkeit, dass die Stute auch tatsächlich aufnimmt. - Größerer Genpool
Sobald die Anwesenheit eines Hengstes für die Befruchtung der Stute vonnöten ist, ist es nicht mehr so einfach, die Besamung von Stuten auf das Erbmaterial einiger weniger Hengste zu konzentrieren. Für den Erhalt der Zucht sind dann mehr Hengste notwendig, die auf der ganzen Welt verteilt leben. Dadurch wird der Genpool automatisch vielseitiger und vergrößert sich. - Artgerecht
Ziel der Haltung von Tieren sollte stets sein, sie möglichst artgerecht zu gestalten. Dazu gehört streng genommen auch, der Fortpflanzung soweit wie möglich freien Lauf zu lassen. Die höhere Chance auf eine Trächtigkeit nach einem Natursprung unterstreicht, wie wichtig der Kontakt mit einem Hengst und die Stimulation durch den Deckakt für die Hormonbalance der Stute ist.

Bei Vollblütern soll mit dem Natursprung ein möglichst großer Genpool bewahrt werden.
Wie oft kann ein Hengst am Tag decken?
Hengste decken eine Stute etwa sechs bis sieben Mal pro Tag.
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Nachteile vom Natursprung beim Pferd
- Hohe Verletzungsgefahr von Tier und Mensch
Die Durchführung eines Natursprungs birgt Risiken für alle Beteiligten. Treffen Hengst und Stute aufeinander, ist das Verhalten beiderseits oft recht ungezügelt. Vor allem vor dem eigentlichen Deckakt dauert es manchmal eine Weile, bis die Stute tatsächlich dazu bereit ist. Zuvor beißt und tritt sie gezielt nach dem Hengst, was diesem (und auch beteiligten Menschen) schnell einige Blessuren einbringen kann. Bei Aufsprung kann die Stute durch die Bisse und die rudernden Hufe des Hengstes getroffen werden. Führt er den Penis zu ungestüm ein, kann des sogar die Vagina verletzen und schwere innere Blutungen auslösen. Manche Tierschützer sprechen bei der Bedeckung an der Hand deshalb sogar von einer „Vergewaltigung“ der Stute. - Infektionsgefahr für Stute und Hengst
Nicht zu unterschätzen ist auch, dass beim Deckakt diverse Geschlechtskrankheiten übertragen werden können. - Aufwendig in Zeit und Vorbereitung
Heutzutage läuft es aus Sicherheitsgründen in der Regel nicht so ab, dass man einfach eine Stute und einen Hengst gemeinsam auf die Weide lässt und abwartet, was passiert. Jeder Handgriff sollte sorgsam geplant und sicher ausgeführt werden, um eine Gefährdung aller Beteiligten so gering wie möglich zu halten. - Gezielte Veredlung von Rassen erschwert.
Sobald ein Hengst zur Paarung anwesend sein muss, ist die Auswahl des perfekten Pferdes für eine Stute begrenzt. Das Verbringen von Hengsten ist deutlich teurer und umständlicher, als seinen Samen durch die Welt zu schicken, sodass gezielte Zuchteinsätze deutlich schwieriger werden.

Jeder Handgriff sollte sorgsam geplant und sicher ausgeführt werden, um eine Gefährdung aller Beteiligten so gering wie möglich zu halten.
Wie lange dauert ein Deckakt beim Pferd?
Ein Deckakt beim Pferd dauert nur etwa eine Minute, in seltenen Fällen auch mal bis zu zwei Minuten.
Vorbereitungen und Sicherheitsmaßnahmen vor dem natürlichen Deckakt
Welche Vorbereitungen zu treffen sind, entscheidet die Methode, wie der Natursprung durchgeführt werden soll. Zu den Vorbereitungen gehören:
- Sorgfältige Auswahl gesunder Pferde, die größen- und gewichtstechnisch einander gewachsen sind
- Anwesenheit geschulter, sachkundiger Personen, die bei Schwierigkeiten eingreifen können
- Berücksichtigung der Planung zur Fortpflanzung in Hinblick auf Haltung, Fütterung und Pflege
- Überprüfung der Geschlechtsgesundheit von Stute und Hengst mittels Tupferproben
- Weidesprung: Eingewöhnung der Stuten in der Herde aneinander, bevor der Hengst dazu gelassen wird
- Wahl eines sicheren Deckstandes, an dem sich weder Pferd noch Mensch verletzen können
- Trockene Säuberung der Vulva vor dem Deckakt
- Desinfektion des Penisses im Anschluss an den Deckakt
- Achtung: Menschen, die im direkten Kontakt zu den Pferden sind, sollten zur Sicherheit einen Helm tragen
Wie deckt ein Hengst?
Sobald die Stute durch Blitzen (rhythmisches Öffnen und Schließen der Schamlippen) und Schleimen dem Hengst signalisiert, dass sie paarungsbereit ist, geht es los. Der Hengst bespringt Stute von hinten und führt seinen Penis vaginal ein. Oft verbeißt er sich dabei für einen besseren Stand im Widerrist der Stute. Nach wenigen Sekunden ist der Akt vorbei, der Hengst lässt von der Stute ab und beide gehen getrennter Wege.
Natursprung beim Pferd – Fazit
Die Wahl des Natursprungs als Zuchtmethode für das Pferd ist berechtigterweise bis heute Bestandteil der züchterischen Praxis in vielen Betrieben, bringt er doch einige Vorteile mit sich. Entscheidet man sich für den Natursprung, erfordert die gesundheitliche Gefährdung von Mensch und Tier eine sorgfältige Vorbereitung und Schulung, um die Risiken so niedrig wie möglich zu halten. Ist dies gewährleistet, ist der Natursprung eine altbewährte und naturgemäße Alternative zur populären Besamung und kommt, insbesondere beim Weidesprung, nah an das Ideal, „der Natur einfach mal seinen Lauf zu lassen“.